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Dallas Seventyfive Uncensored

Convention Center Memorial Auditorium, Freitag, 6. Juni 1975

Das Dallas Convention Center liegt gut erreichtbar in der Innenstadt von Dallas. Obwohl der Konzertveranstalter “Concert West” nur einmal in zwei Tageszeitungen Elvis’ Auftritt in Dallas beworben hatte, überschwemmten Kartenreservierungen die Vorverkaufsstellen. Concert West blieb aber hart. Es wurden nur 10.128 Karten verkauft, nur so viele, wie das Auditorium Sitzplätze hatte. Der Veranstalter sagte später, dass es ein leichtes gewesen wäre, 30.000 oder mehr Karten zu verkaufen.

Die Einnahmen für den Auftritt betrugen hinterher 95.475 Dollar. Der Preis für die Karten war gestaffelt: 5 Dollar, 7,50 Dollar und 10 Dollar. Concert West hatte für die Show, deren Vorprogramm um 20.30 Uhr starten sollte, ein Wahnsinns-Aufgebot an Sicherheitsbeamten angeheuert. Das “Dallas Convention Center” war eine der Arenen, bei denen die Bühne rundherum von Zuschauern umgeben war. Die Gefahr von auf die Bühne stürmenden Fans war dementsprechend groß und drohte von allen Seiten.

Für uns Fans stand ein wichtiges Konzert bevor. RCA war nämlich an diesem Abend anwesend, um den gesamten Auftritt aufzunehmen. Wie wir wissen, war ein Großteil dieses Konzertes auf der 8-LP-Box und später auf der LP/CD “Live in Dallas” zu finden. Man gab sich für diese Aufnahme keine große Mühe. Ernst Jörgensen rekonstruierte, dass Felton Jarvis damals wohl lediglich einen normalen Kassetten-Recorder an die Aufnahmeeinheit des Mischpultes angeschlossen hatte. So, wie er es wenige Monate später, im Dezember 1975, auch mit der Aufnahme machte, die wir mittlerweile auf der Sammler-CD “Just Pretend” vorliegen haben. Wie viele Shows Felton in dieser Art mitgeschnitten hat, ist nicht bekannt. Ernst Jörgensen deutet in seinem Buch “Recording Sessions” lediglich an, dass wahrscheinlich eine ganze Anzahl von Shows allein während dieser Juni 1975-Tour mitgeschnitten wurde. Und richtig: Insidern ist bekannt, dass Teile des Konzertes, das auf der 8er Box erstmals erhältlich war, gar nicht aus Dallas, sondern vom nächsten Tag aus Shreveport stammen.

Die beiden Bänder aus Dallas und Shreveport wurden später von Joan Deary und Dick Bogert in den A & M-Studios in Hollywood im Klang verbessert und leider auch entsprechend der LP-Veröffentlichung vermischt. Schade, denn Elvis’ Konzerte hatten es eigentlich zu keiner Zeit nötig, zusammengeschnitten zu werden.

Und jetzt zur Show…. Live in Dallas:
Die Lichter im Saal waren erloschen. Jeder wartete, was passieren würde. Gleich würde Elvis, die Legende, vor ihnen stehen. Oder auch nicht? Ein Mann kam aus dem Dunkel einer Bühnenecke auf das Mikro zu und bat unter euphorischen Klängen das Publikum, eine Gruppe namens “Voice” willkommen zu heißen. Ein Trio, bestehend aus Sherill Nielsen, Donnie Sumner (Stiefsohn von J.D. Sumner) und Tim Baty betraten unter mäßigem Applaus die Bühne, um drei Lieder zu singen. Anwesende Fans sagten nachher aus, dass sie den Eindruck hatten, dass Voice eigentlich nur dazu da war, das Soundsystem zum letzten Mal zu checken.

Als Voice die Bühne verließ, wurde die Spannung unerträglich. Gleich würde Elvis da sein. Der Mann aus dem Dunkel kam wieder zum Vorschein. Wollte er Elvis’ Auftritt endlich ansagen? Nein, Komiker Jackie Kahane war erst einmal dran. Das Publikum gröhlte. Aber nicht wegen Jackies Witzen, sondern weil der Kerl endlich von der Bühne verschwinden sollte. Ca. 20 Minuten versuchte der arme Kerl, die Fans in Stimmung zu bringen. Seit dem letzten Sommer hatte er fast nichts an seinem Programm geändert. Noch immer dieselben Gags. Noch immer die angeödeten Gesichter der gespannten Fans. Dann ging Jackie. Endlich würde Elvis kommen! Oder….?

Der Mann aus dem Dunkel kam grinsend zum Mikrofon zurück. Mit Grauen vernahmen die Fans, was er ansagte. “Meine Damen und Herren. Bitte begrüßen Sie die ‘Sweet Inspirations’. Das konnte doch nicht wahr sein. Wann würde Elvis endlich erscheinen? Die Sweet Inspirations waren trotzdem das Higlight des Vorprogramms. Ihre Leistung stimmte das bis zur Explosion gepannte Publikum schon bald recht friedlich, und mit jeder Nummer wuchs der Applaus. Sie brachten ‘Lady Marmalade’, ‘ Philadelphia Freedom’ und ein Medley der Stevie Wonder Hits ‘You Are The Sunshine Of My Life’, For Once In My Life’, ‘Suspicion’ und ‘All Is Fair in Love’. Es kam während der Tour öfter vor, dass die Sweet Inspirations wegen des starken Beifalls nochmal auf die Bühne kommen mussten!

Viele dachten: Jetzt muss Elvis doch kommen. Aber statt dessen gingen die Lichter im Saal wieder an und der anonyme Ansager verkündete strahlend: “It’s intermissin time”. Jetzt waren es nur noch 15 Minuten bis zum Beginn der Show. Wie wild fegten die Jungs des Colonel durch die Gänge, um die Souvenirs an den Fan zu bringen. Der Erlös der Verkäufe wurde übrigens an eine Organisation zur Förderung von Waisenkindern gespendet und betrug fast 15.000 Dollar.

Doch dann war es endlich soweit. Wie heißt es so schön plump in der deutschen Fassung des “In Concert-Specials”: “Hörner erschallen. Der King naht.”

Die Lichter erlöschen. Leise… immer lauter werdend, bilden die Hörner des Joe Guercio-Orchesters das berühmte “Also sprach Zarathustra”, welches am Ende in das “Opening Riff” überging. Aber nichts passierte. Erst als Ronnie Tutt schon einige Trommelwirbel gespielt hatte, kam Elvis von der rechten Seite auf die Bühne. Er sah blendend aus. Er trug den schwarzweißen Phoenix-Suit, den er bereits am Vorabend während der Show in Houston angehabt hatte. Wir alle kennen diesen Anzug aus der “Pittsburgh”-Show. Er zeigt einen schwarzen Adler auf weißem Stoff. Elvis hatte identische Anzüge in seiner Garderobe. Der eine davon hatte einen weißen Adler auf blauem Stoff und der dritte einen roten Adler auf weißem Stoff. Alle Anzüge waren praktisch die Hauptgarderobe, die Elvis während dieser Tour trug. Das Bild auf der Rückseite von Platte 8 auf der 8-LP-Box zeigt Elvis in einem dieser Anzüge. Das Foto kann sogar aus der Juni-Tour stammen.

Elvis ging an den Background-Sängern vorbei und schaute sich auf dem Weg zur Bühnenmitte erst einmal in der Halle um. Ich erinnere mich in diesem Moment an seine Äußerung in “On Tour”: “Es ist ein neues Publikum und eine neue Bühne da daraußen. Es ist also alles so, als wenn wir das zum ersten Mal machen würden.” Man glaubt ihm dieses Statement, wenn man ihn dabei beobachtet, wie unsicher er versucht, die gigantische Fanmenge zu überblicken. Charlie kam ihm auf halben Weg entgegen udn reichte ihm die schwarze Gitarre.

So ausgestattet, legte Elvis dann erst einmal seine rechte Hand auf dem Mikro ab. Dann begann er selbstsicher zu singen: “Oh, C….. C. C. Rider….”. Es ist mir völlig unverständlich, warum Joan Deary schon beim Eröffnungslied an dem Konzert herumgeschnipselte, denn Elvis singt hier eine fantastische Version, die sicher nicht schlechter ist als die Fassung aus Shreveport, die auf der “Live in Dallas”-LP/CD Verwendung fand. Am Ende von C.C. Rider hält er die Gitarre wie eine Maschinenpistolen-Pose im Anschlag. Eine tolle Sache für Fotofreunde. Es folgten die üblichen “Wells”, an deren Ende Elvis wieder irreführend “Danke, meine Damen und Herren. Das war es” gebraucht. Doch das war es noch lange nicht, denn eine rasende Version von “I Got A Woman” folgt. Obwohl RCA in den Sessionsunterlagen behauptet, diese “I Got A Woman”-Fassung stammte aus Dallas, würde ich das bezweifeln. Teilweise hört hört sich die Aufnahme auf dem Audioband dieses Auftrittes absolut identisch an im Vergleich zu der auf der “Live In Dallas”. Aber andererseits gibt es Textzeilen, die sich völlig anders anhören. Eventuell hat man die Aufnahme gesplittet bzw. overdubbed.

Nachdem J.D. Sumner dann mit tiefer Bass-Stimme zum letzten Teil von I Got A Woman übergeleitet hatte, sang Elvis eine letzte Zeile des Liedes, um das Medley zu Ende zu bringen. Während der letzten Töne warf er die Gitarre wie wild in der Luft herum, schlug sie nach vorne und hinten und warf sie dann über seinen Kopf nach hinten, wo Charlie sie sicher auffing. Das war es, was die Fans sehen wollten.

“Vielen Dank. Guten Abend, meine Damen und Herren. Oh, Ihr seid ein gutes Publikum. Wisst Ihr, ich erkenne das schon… ich erkenne schon, wenn ich eine Halle betrete, ob Ihr gut seid oder nicht. Ich meine… das Auto kommt hereingefahren… und ich kann die Menschen schon atmen hören (hierbei versucht er mit einigen Hechel-Lauten das Atmen der Menge zu imitieren) huhhhh, huhhh, huhh. Und daran kann ich das schon erkennen, wisst Ihr? Ich hoffe, Sie haben heue abend eine schöne Zeit hier. Wir werden… wir werde eine Menge Lieder bringen… ale, neue… und dazwischen. Wisst Ihr, was ich immer komisch finde? Es sind diese Leute mit den Ferngläsern. Für mich sehen die immer wie eine Menge Froschaugen aus (Elvis hat Recht. Auf vielen Live-Fotos sieht man im Hintergrund die Fernglas-Fans. Die dicken Gläser der Fernrohre sehen wirklich wie Froschaugen aus). Und dann fragen mich die Leute immer über die Blitzlichter und Scheinwerfer. Und ich sage: ‘ich kann überhaupt nichts mehr sehen, Mann, das kann ich dir sagen’.”

In diesem Augenblick schreit ein Fan von der Rückseite der Bühne: “Ich kann auch überhaupt nichts sehen. Schau bitte einmal in meine Richtung!” (Ich habe diesen Zuruf des Fans auf der “Live In Dallas” nie gehört. Aber er ist, bei entsprechender Lautstärke, deutlich zu hören.) Elvis hörte die Frau und rief: “O.K…. was ist?!

Und mit einem ruckartigen Dreh schaut er genau in die Richtung, aus der der Schrei kam. In diesem Augenblick drückten alle Fans auf der Rückseite der Bühne auf die Auslöser. Diese Gelegenheit musste ausgenutzt werden! Hunderte von Blitzlichtern gingen los und verursachten ein zischendes Geräusch, was Elvis mit einem “Tsch, tzsch, tzsch, tzsch” kommentierte. Und schon war ermitten in “Love Me”. Das war wieder was für die Fans. Elvis schüttelte Hände, verteilte Küsse. Ein Mädchen war so klein, dass Elvis sie nicht erreichen konnte. Also legte er sich auf die Bühne. Da klappte es dann. Mit einem “Das ist eine hohe Bühne hier”, kommentierte er den Vorfall. So lief er während dem Lied mehrmals die Bühne auf und ab und letztendlich bekam fast jede ihren Kuss. Einziger Nachteil der Lauferei war, dass Elvis sich gegen Ende des Liedes hoffnungslos im Mikrofonkabel verfangen hatte. Er fügte ein “…oh so, oh so damned wrapped up in this cord” (“Ich bin so verdammt in dieses Kabel eingewickelt”) in den Text von “Love Me” ein. Nach Love Me schlenderte Elvis langsam rüber zu den Stamps und währenddessen begann die Band mit “If You Love Me Let Me Know”. Eine recht normale Version. Er hatte während dieser Tour die Gewohnheit, die Textzeile….”….and I prayed you love enough of me to stay” relativ euphorisch zu betonen.

Es war Oldie-Time. Und Love Me Tender sollte den Anfang machen. “Vielen Dank, danke… oh, entschuldige. Jetzt wäre ich fast auf Dich getreten. Ah, mein erster Film hieß “Love Me Tender”, daher möchte ich Ihnen etwas daraus vorsingen.” Die Gitarre spielte die ersten Takte des Liedes an. Aber Elvis unterbrach: “Ich sagte nur ‘ich möchte gerne’, aber eigentlich ist mir gar nicht danach, das zu singen, weil, ich habe das jetzt schon so oft gebracht, und ich bin dieses Lied eigentlich müde. Nein, ich werde es singen.”

Beim nachfolgenden Vortrag wurde klar, dass Elvis dieses Lied wirklich leid war: “Love me tender, love me true…never let me go. Wie alt bist Du, Kind? You have made… wie alt? Drei?… Dreizehn! and I love you so… all my dreams fullfill….. nein, ich mach’ nur Spaß, komm her…. for my darling (Elvis küsst ein sehr junges Mädchen)…. Sie muss ja irgendwo mal damit anfangen. And I always will…. tell me you are mine… ah, spring nicht…. for my darling, ha, warte eine Minute Honey… nur einen immer (ein Fan wollte wohl gleich mehrere Tücher hamstern)…. ich könnte auch hier stehen bleiben… tell me you are mine….”. So und so ähnlich liefen Elvis’ Golden Oldies in den späteren Shows ab. Es wurde mit jeder Show klarer, dass Elvis diese Lieder hasste. Mit einem kurzen “Thank you” ging’s weiter mit “All Shook Up”. Und mit “Thank you. Take it on” gab er Glen Hardin am Piano das Kommando, mit dem Intro zu “Teddy Bear – Don’t Be Cruel” zu beginnen. Auch hier herrschte wieder das selbe Chaos wie vorher schon bei “Love Me Tender” und “All Shook Up”. Elvis unterhielt sich, frage Fans nach ihrem Alter und so langsam vergaß er darüber, welches Lied er überhaupt sang. Erst als Charlie Hodge ihm mit der Textzeile… pull a chain around my neck” wieder auf die Sprünge half, war er wieder im Bilde.

Auch das nächste Lied gehörte noch in die Rubrik 50er Jahre. Mit einem schallenden “You aaaaaaaaain’t” wollte er mit “Hound Dog” die Halle zum Toben bringen. Es gelang ihm auch, denn allein schon nach diesen beiden Worten schrie das Publikum auf. “….ich habe doch noch gar nichts gemacht”, unterbrach er das Geschrei. Wieder folgte eine kurze Pause. Er reizte die Stimmung bis zum Höhepunkt aus und erst dann setzte er den begonnenen Vortrag fort “…. nothing but a Hound Dog….”

Die Menge tobte. Elvis rockte sich im künsterlisch untersten Level durch das Lied. Und trotzdem blieb ihm die Puste für ein paar kurze Unterhaltungen mit den Fans. “Danke. ich möchte fragen… Ich möchte Euch eine Frage stellen, meine Damen und Herren. Wie viele von Euch haben gestern abend diesen Film im Fernsehen gesehen?” (Elvis spielt auf die eingangs erwähnte TTWII Ausstrahlung von NBC an). Die Reaktion war klar. Wer heute hier in der Halle saß, der hatte auch den Film am Abend zuvor gesehen. “Warum habt Ihr dann auch noch Geld dafür ausgegeben, um heute abend hierher zu kommen? Das ist doch irgendwie dieselbe Sache, wisst Ihr? Nur, … mit einer Ausnahme natürlich. Die Leute hier auf der Bühne sind inzwischen etwas älter geworden… außer mir natürlich, wisst Ihr? Ah, das ist ein Lied, das wir vor… warte eine Minute.”

Elvis schaute hoch in die Balkon-Reihe, da dort ein Mädchen kurz vor dem Ausflippen war. “Jetzt warte mal eine Minute, Honey, spring bitte nicht vom Balkon herunter und pass auch auf, dass Du nichts verlierst, weißt Du? Ah, hier ist ein Song, den wir vor zwei oder drei Jahren gebracht haben. Er heißt ‘The Wonder Of You’.” Eigentlich hätte jetzt die Band einsetzen müssen. Aber das passierte nicht. Elis wiederholte daher nochmals: “The Wonder Of You”. Erst jetzt erfolgte der Einsatz der Band. Eigentlich komisch, denn an dieser STelle hatte man in dieser Tour bis jetzt immer dieses Lied gebracht. Kaum war The Wonder Of You dann zu Ende, da ging es erst richtig los. Mit einem kurzen “Thank you very much, thank you. Take it on” leitete Elvis dann meine ganz spezielle Lieblingsversion von “Burning Love” ein. Was für ein Vortrag! In meinen Augen schlägt diese Version die Studiofassung um LÄngen! Gekrönt wird das Ganze zum Abschluss mit einem hervorragenden Schlagzeugeinsatz von Ronnie Tutt.

25 Minuten nach Beginn der Show kam dann die Bandvorstellung. Hier setzte Elvis das fort, was er in der ersten Hälfte der Show bereits ausgiebig begonnen hat: Gespräche mit den Fans!

“Vielen Dank. Ich möchte gerne, ah…. hallo Sweetheart. Ich sehe Dich. Was möchtest Du? Was möchtest Du? Komm her.” In diesem Augenblick setzte die Band mit einem Instrumental ein, das eigentlich die Untermalung zur Bandvorstellung bilden sollte. Aber so weit war Elvis noch lange nicht: “O.k., zu Dir komme ich als nächstes, o.k.? Was möchtest Du denn, Honey? Du willst einen Schal? Du hast 20 Jahre lang auf einen Schal gewartet? Auf mich? Oh, Du warst damals doch erst 14. Versuch nicht, mir einen Bären aufzubinden, Honey, Du wirst die 35 nie mehr wiedersehen.”

In diesem Augenblick legte sich Elvis auf den Bühnenboden und gab der Frau den ersehnten Kuss. “Der nächste bitte”, kommentierte er dann die Massenküsserei. “Ah, ich meine… das habe ich nicht so gemeint. Year Du… komm her zu mir”, fuhr er fort und deutete mit dem Finger auf die betroffene Person.

Während Elvis sich angeregt mit den Fans unterhielt, tauchte Charlie mit neuen Tüchern hinter ihm auf. Und als Charlie ihm von hinten einen Schal um den Hals hängen wollte, erschrak er sichtlich. “Charlie, warne mich zukünftig, wenn Du so etwas vor hast, mein Sohn. Ich kann das doch nicht wissen.” Aber schon war er wieder den Fans zugewandt: “Was möchtest Du denn, Honey? Oh, Du möchtest gar nichts! Was machst Du denn dann da unten? Oh, Du möchtest also nichts, o.k….” In diesem Augenblick erkannte das Mädchen, wie absurd die Antwort war, und schnell ergänzte sie: “Ich möchte etwas von Dir haben.” Und lautstark erwiderte Elvis: “Wuhuuuu, Du möchtest etwas von mir haben! O.k. ich gebe Dir einfach dies hier. Hast Du es?. O.k.”

Während Elvis am Bühnenrand so verhandelte, wurden die Schreie der Leute im oberen Rang immer lauter. Lautstark forderten sie, dass Elvis auch mal zu ihnen kommen sollte. “Wie soll ich denn da hoch kommen? Es geht kein Weg da hoch”, kommentierte er und begann dann endlich mit der Bandvorstellung. “Ich möchte Ihnen die Mitglieder meiner Band vorstellen… ah, Ihr braucht nicht so laut zu spielen, Jungs… ich muss sonst hier vorne so laut schreien… Ich möchte Ihnen jetzt die Mitglieder meiner Band vorstellen, bevor ich jetzt weitermache. Zuerst die jungen Damen… ah, das waren sie mal… sie sind jetzt seit 5 Jahren bei mir und ich denke, sie sind fantastisch… die Sweet Inspirations … und die Sweet Ol’ Inspirations. Die Gentleman hier hinten… sie haben …. nun J.D., nein warte mal eine Minute … eines der besten Gospel-Quartes in unserem Land… und in einigen Häfen in Süd-Afrika… J.D. Sumner und das Stamps Quartet. Zeig mir doch mal Deine Hand, J.D. seht Euch das mal an”, meinte Elvis, während er J.D.’s Hand, die mit teuren Ringen übersät war, in die Höhe hielt. “Er hat mehr als ich, Mann, weißt Du. Ich habe nur einen. Du warst zu lange in Texas, das ist es…”

So stellte Elvis mit ein paar weiteren lockeren Sprüchen die ganze Band und alle Hintergrund-Chöre vor. Manchmal fragte man sich warum er die eine oder andere Story überhaupt erzählte. Bei Jerry Scheff’s Vorstellung z.B. erzählt er dem gazen Publikum: “Er konnte letzte Nacht nicht einschlafen und lief daher die ganze Nacht hindurch über den Korridor…”

Ein besonderes Erlebnis war heute Ronnie Tutts Schlagzeugsolo. Ronnie kam ja aus Dallas und er hatte sich vorgenommen, es einem Heimatpublikum heute mal ordentlich zu zeigen. Er trommelte wie ein Tier auf den Instrumenten herum, was Elvis am Ende des Solos zu dem Kommentar: “Los Jungs, bringt ihm wieder zurück in seinen Käfig”, hinriss. Die Soli von James Burton (Johnny B. Goode) und dem Joe Guercio Orchester (School Days) begleitete Elvis stimmlich, ohne sich dabei aber Mühe zu machen.

Nach der Bandvorstellung ging es dann im Programm weiter: “Wir haben eine neue Platte draußen, Ladies & Gentleman. Sie kam vor ca. 10 Tagen heraus. Sie heißt T-R-O-U-B-L-E und hat einen schrecklichen… es hat schrecklich viele Worte im Text und die kenne ich nicht alle. Wenn ich es also verpatze… weil ich kann dann nicht zurückgehen, um den Anschluss wiederzufinden. Aber wir werden es versuchen. Take it on!”

Laut dem Buch “Recording Sessions” müsste dieses T-R-O-U-B-L-E auch aus der Dallas-Show stammen. Das stimmt aber nicht! Elvis vertut sich während der Dallas-Show nämlich öftermit dem Text. Er singt zum Beispiel “what in the world you’re doin “a-l-o-n-e”?… well hello a-l….b-l-e…”. Auf der 8er-Box war dieser Versprecher nicht zu hören. Auch die STelle, an der Evlis den Text erneut vergisst und eine Zeitlang nur noch die Hintergrund-Chöre zu hören sind, war nicht auf der Platte. Ich gehe also davon aus, dass hier wieder auf eine Aufnahme aus der Shreveport-Show des nächsten Tages zurückgeriffen wurde und RCA’s Unterlagen nicht stimmen!

Auch das nachfolgende “Why Me Lord?” stammt aus einem der beiden Shreveport-Konzerte des nächsten Tages und nicht aus Dallas. Zwar hören wir auf der “Live in Dallas” die Orginalansage aus dem Dallas-Konzert, das Lied selst wurde dann aber hereingeschnitten. Die Dallas.Version war wahrscheinlich für RCA nicht zu gebrauchen, weil Elvis J.D. bei seinem Gesamgs-Part so mit lustigen Sprüchen bombardierte, dass dieser fast keine anständige Textzeile herausbrachte. Und als Elvis dann am Ende des Songs noch mit verstellter Micky-Maus-Stimme mitsang, war alles zu spät. Für RCA war das wohl eine Spur zu lustig. Sofort nach Why Me Lord geht es auf der LP/CD mit der Original Dallas-Aufnahme weiter: “Ich denke, Du hast bei dieser Sache ganz gut gelacht”, kommentiert Elvis die lustige Fassung des Gospels.

“Ich möchte gerne ah… einen ernsten Gospel singen. Unter Mitwirkung der Stamps… er heißt How Great Thou Art”. Fantastisch, was Elvis hier wieder einmal bot. Nach jeder dramatischen Zeile erhoben sich Hunderte von Zuschauern aus ihren Stühlen, um diesen hervorragenden Vortrag mit “standing ovations” zu honorieren. Leider hört man diese spontanen Beifallsbekundungen auf der “Live In Dallas”-LP/CD nicht im geringsten. Lediglich am Ende des Songs hat man etwas vom euphorischen Applaus eingeblendet, damit dem Hörer überhaupt klar wird, warum Elvis ein zweites Mal mit diesem Lied beginnt. So kann man mit dem Mischpult ganz einfach eine Live-Atmosphäre vernichten. Bravo Joan Deary!

Die Show und die gute Stimmung des Publikums treiben ihrem Höhepunkt entgegen. Mit “Let Me Be There” preschte Elvis weiter durch das Programm. Auch hier ist die Resonanz der Zuschauer so groß, dass Elvis ohne Zugabe nicht davon kommt. Das Temperament des Publikuns schien jetzt langsam außer Kontrolle zu geraten. Elvis stand wie ein Schullehrer vor der lauten Klasse und versuchte mit Sätzen wie: “Hier geht’s lang” oder “Nur mal eine Sekunde bitte” Ruhe in den Saal zu bekommen. Es half alles nichts. Und als das Orchester dann auch noch das Intro zu “American Trilogy” spielte, war alles aus! Elvis ließ erst das Gitarrenintro verklingen, dann machte er eine lange Pause. Und dann, nach ein paar Sekunden, begann er: “Oh how I wish I was in the land of cotton…”. Das Volk jubelte. Das war es, was der Stimmung im Saal die Krone aufsetzte. Auch hier kommt auf der RCA-Abmischung fast nichts von den tollen Publikumsreaktionen herüber. Vor der Bühne schien die Hölle los zu sein. Elvis beobachtete die Vorgänge dort so intensiv, dass er mit dem Text durcheinander kam. Aus Versehen sang er: “…look away, look away, look away, look away”.

In diesem Augenblick merkte er, dass er ein “look away” zuviel im Lied hatte. Rasch zwängte er das fehlende “Dixie Land” ein. Und mit einem Grinsen im Gesicht forderte er die Stamps mit einem “sing it” zu ihrem Part auf. Aber dann wurde er ernst. E wollte das Lied so richtig mit patriotischer Hingabe singen. Doch das war gar nicht einfach, da das Publikum nach wie vor riesigen Krach machte. Als Elvis dann bei “All My Trials” ankam, merkte man schnell, dass er den Krach der Fans schon als sehr störend empfand. Durch laute “scht”-Laute versuchte er, Ruhe in die Menge zu bringen. Vergebens!

O.K. wenn die Fans Stimmung haben wollten, sollen sie sie bekommen, dachte er am Ende von American Trilogy und mit einem kurzen “Ah, lasst uns Little Darlin bringen” brachte er die Leute erneut auf 180! Eine herrliche Version, während der Elvis einige Male nur noch am lachen ist, folgt. Aber auch heute in Dallas konnte sich Elvis einen Kommentar nicht verkneifen: “Habt Ihr mitbekommen, was dieser Song sagen will? Ich meine, diesen Song gibt es schon recht lange…. warte doch mal eine Minute… lasst mich doch auch mal eine Minute lang zu Wort kommen…Der Song sagt la, la, la, la hoopa hoopa hoopa, noawella, that’s my lova… aber jetzt möchte ich einen wirklich ernsten Song singen.”

In der Sommer Tour des Jahres 1975 konnte diese Ansage, an dieser Stelle der Show nur eins bedeuten: “Mystery Train”/”Tiger Man”. Die Menge tobte, als Elvis zum Blitzen des “Strobe”-Lichtes seinen Kopf hin un dher warf. Wilde Zurufe zu einem furios spielenden James Burton zeigten, wie sehr sich Elvis in das Lied hineinsteigerte. Und mittendrin, man sollte es nicht glauben, hatte er sogar noch die Zeit, drei la, la, las mit hoher Stimme in das Medley einzufädeln. Die hatte er wohl noch von Little Darlin im Hals stecken gehabt.

“Meine Damen und Herren, nun da Sie die Chance hatten, uns zu sehen, möchte ich, dass die Saallichter angemacht werden, damit ich auch mal einen Blick auf Sie werfen kann.” Als das Licht anging, wrude der Lärm in der Halle unerträglich. Jeder versuchte, die Aufmerksamkeit von Elvis zu erlangen. Einem Mädchen gelang es, indem sie sich zur Bühne vordrängte, um ein Geschenk für Elivs hochzuwerfen: “Danke, Darling. Ich habe Dich schon gesehen dahinten. Ich hatte versucht, dass die Jungs dort unten (Sicherheitskräfte) den Weg freimachen. Aber sie wollten es nicht tun.

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In diesem Augenblick begann er mit “Funny, How Time Slips Away”. Auch diese Fassung wird uns auf der Live In Dallas vorenthalten. Auch hier versucht J.D. Sumner, das Lied mit einem “low flat” zu beenden. Elvis hatte dabei eine Menge Spaß und hänselte J.D. damit, dass er es heute ohnehin nicht schaffen wird: “Ain’t it funny, ha ha, seht Ihr, wie lustig das ist… how time… wirklich, ich veralbere euch nicht… er wird so tief gehen (J.D.) dass er verschwinden wird… werde jetzt nicht nervös J.D…. Du schaffst es heute ohnehin nicht… right on a-a-a-a-a wayyyy.” In diesem Moment übernimmt J.D. mit tiefer röhrender Bass-Stimme das Ende des Liedes. Elvis schien zufrieden zu sein. “Ihr seid fantastisch, meine Damen und Herren, und ich möchte mich sehr bei Ihnen bedanken”, sagte Elvis nach Funny, How Time Slips Away und schon war das “Can’t Help Falling In Love” angesagt.

Review von www.elvisonline.de

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